Carl Sagan

Carl Sagan

 

Im Jahr 1939 fand im New Yorker Stadtteil Queens die größte Weltausstellung aller Zeiten statt, in der die Industrienationen die neusten Innovationen aus Wissenschaft und Technik präsentierten. Millionen Menschen bestaunten die aufwendig gestalteten Pavillons, die auf dem riesigen Gelände aufgebaut waren. Einer von ihnen war ein kleiner erst fünf Jahre alter Junge namens Carl Sagan, der die EXPO gemeinsam mit seinen Eltern besuchte.

Für den kleinen Carl stellte dieser Besuch einen Wendepunkt in seinem Leben dar, denn durch ihn kam er zum ersten Mal mit der Welt der Wissenschaft in Berührung. Von diesem Tag an entwickelte er ein fast schon obsessives Interesse an der Natur im Allgemeinen und an der Astronomie im Besonderen. Seine Eltern unterstützen die Neugierde ihres Sohnes so gut sie nur konnten.

Was weder seine Mutter noch sein Vater damals ahnen konnten war, dass aus ihm später einmal einer der bedeutendsten und populärsten Autoren naturwissenschaftlicher Literatur werden würde.

Geboren wurde Carl Edward Sagan am 9. November 1934 in Brooklyn.

Nach seinem Studium an der Universität von Chicago widmete er sich intensiv dem gerade neu entstandenen Wissenschaftszweig der Exobiologie. Diese beschäftigt sich mit der Frage wie wahrscheinlich es wohl ist, dass auch auf anderen Himmelskörpern im All Leben entstanden sein könnte und wenn ja, wie dieses beschaffen ist, ein Thema, welches den inzwischen zum Professor ernannten Sagan sein Leben lang am intensivsten beschäftigte.

Aber bei seiner Beschäftigung mit der Frage nach außerirdischen Leben ging es ihm keineswegs nur um irgendwelche Mikroben oder Bakterien, die womöglich auf dem Mars oder auf einigen der Monde der großen Gasplaneten unseres Sonnensystems existieren mochten. Was seine Fantasie und damit auch seine wissenschaftliche Arbeit am allermeisten anregte war vielmehr die Möglichkeit der Existenz von intelligenten außerirdischen Leben.

In den 1960er Jahren begann man das Himmelszelt intensiv nach eventuellen Funksignalen von fremden Zivilisationen in den Weiten des Kosmos abzusuchen. Diese Suchprojekte gingen und gehen von der Annahme aus, dass außerirdische Zivilisationen über die Funktechnik verfügen, so wie wir. Mit Hilfe von superempfindlichen Radioantennen ließen sich solche Funksignale von der Erdoberfläche aus nachweisen, was jedoch mit einem erheblichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden ist.

Carl Sagan war jedoch der Ansicht, dass der mögliche Nutzen der Kontaktaufnahme mit einer fremden Zivilisation diese Kosten mehr als rechtfertigen würde. Er wurde nicht müde in seinen Publikationen darauf hinzuweisen was für ein gewaltiger Fortschritt es für die gesamte menschliche Gesellschaft wäre, wenn wir den ultimativen Beweis dafür fänden, dass wir nicht allein im Universum sind. Kein anderer Wissenschaftler hat daher die Suche nach Intelligenzen im Kosmos mit größerem Enthusiasmus und Nachdruck vorangetrieben wie er.

Um ein großes Massenpublikum mit den Wundern des Alls vertraut zu machen, produzierte und moderierte Sagan im Jahr 1980 die dreizehnteillige Fernsehreihe Unser Kosmos. In seiner unnachahmlich anschaulichen Weise brachte er darin den Zuschauern die Geheimnisse des Universums näher, schilderte die Geschichte der Astronomie und legte dar welche Bedeutung die Erforschung der Sterne für die Weltgeschichte hatte. Nicht zuletzt setzte er sich natürlich auch mit der Frage auseinander wie groß die Chancen sind, dass auf anderen Planeten hoch entwickelte Kulturen entstanden sein mochten.

Die Serie war ein so phänomenaler Erfolg, dass Sagan sich daran machte ein Begleitbuch zu verfassen, in dem er die in ihr behandelten Themen noch ausführlicher darstellte.

Das Buch Unser Kosmos ist das mit fünfzig Millionen verkauften Exemplaren bis zum heutigen Tag meistgelesene englischsprachige Sachbuch überhaupt. Es begründete Sagans Ruf, es wie kein zweiter Autor zu verstehen komplexe Zusammenhänge zu erklären und den Leser damit zum Nachdenken über den Platz des Menschen im All anzuregen. Carl Sagans Ziel war es stets so viele Menschen wie möglich für die Forschung zu begeistern und ihnen eine wissenschaftliche, auf kritischen Skeptizismus basierende Denkweise zu vermitteln.

Dies äußerte sich vor allem in seinem Engagement für die sogenannte Skeptikerbewegung:

Ende der siebziger Jahre gründete Sagan zusammen mit einigen Forscherkollegen und Wissenschaftsjournalisten die CSICOP, eine Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat grenzwissenschaftliche und esoterische Behauptungen mit naturwissenschaftlichen Methoden auf den Prüfstand zu stellen. Carl Sagan bemühte sich im Rahmen seiner Arbeit für die CSICOP die Öffentlichkeit zu einer kritischen Auseinandersetzung mit solchen Pseudowissenschaften zu bewegen. Hierzu gehörte es für ihn auch, die Massenmedien dafür zu kritisieren, dass naturwissenschaftliche Themen in ihnen zu selten bis gar nicht behandelt wurden. Hierdurch entstand, seiner Meinung nach, in der Bevölkerung überhaupt erst der Nährboden für die Bereitschaft an paranormale Phänomene, für die es indes keinerlei wissenschaftlichen Beweise gibt, zu glauben.

Für Carl Sagan war es ein enorm wichtiges Anliegen immer und immer wieder zu betonen, was für ein enormes Wunder die bloße Existenz des Menschen auf dem Planeten Erde darstellt, und dass es daher nicht notwendig sei an UFOs, Astrologie, Wahrsagerei oder dergleichen zu glauben, um unseren Leben eine „tiefere“ Dimension zu geben. In all seinen Büchern, Artikeln und Vorträgen, wollte er in den Menschen, die ihnen angeborene Fähigkeit zum Staunen über unsere komplexe, wunderbare Welt, wiedererwecken. Gleichzeitig erinnerte er seine Leser daran, wie fragil das Gleichgewicht des Lebens auf Erden ist, und dass der Mensch selbst eine große Gefahr für dessen Fortbestehen ist.

In seinen früheren Büchern zeigte er die schrecklichen Konsequenzen eines weltweiten Atomkrieges auf, in seinen späteren Werken widmete er sich dem Versuch auf die Folgen des globalen Klimawandels aufmerksam zu machen.

Es gelang ihm stets seine Leser für die komplizierten Zusammenhänge zwischen unserem Leben hier auf Erden und dem Schicksal des Kosmos zu sensibilisieren. Dadurch öffnete er vielen Menschen die Augen und erweckte in ihnen den Wunsch selbst gegen die Auswüchse von blinden Nationalismus, Wissenschaftsfeindlichkeit und religiösen Fundamentalismus zu kämpfen.

Die Lektüre seiner Bücher bewirkt beim Leser eine Bewusstseinserweiterung, indem sie ihm einen Einblick in einen Teil der Welt ermöglichen, von dessen Existenz die meisten Menschen nicht einmal etwas wissen, da ihr normales Alltagsleben von ihr nicht beeinflusst wird.

Gleichzeitig stellen sie eine Anleitung zum skeptischen Denken dar, ohne dabei belehrend zu wirken. Gerade in unser heutigen Zeit, in der religiöser Eifer auf der ganzen Welt wieder im Aufwind ist, ist es umso notwendiger Dogmen, die zu Intoleranz gegenüber Andersdenkenden verleiten aktiv zu hinterfragen. Ein umfassendes Wissen über die Geschichte des menschlichen Fortschritts und über den gegenwärtigen Stand der Naturwissenschaften ist hierfür eine wichtige Grundvoraussetzung.

Carl Sagans Wirken wird daher hoffentlich niemals in Vergessenheit geraten. Den seine Arbeit stellt einen enorm wichtigen Gegenpol zu jeder Form von Irrationalität und Fanatismus dar.

Seine Bücher sind allen zu empfehlen, die sich fundiert darüber informieren wollen wie unser Universum entstanden ist, wie es funktioniert und welchen Stellenwert die Menschheit ihn ihm hat. Nur durch die Vermittlung dieses Wissens – davon war Carl Sagan überzeugt – besteht die Chance, dass die Menschheit die gegenwärtige, kritische Phase ihrer Entwicklung überlebt und einer großen Zukunft entgegensehen kann. Denn die nationalen und religiösen Unterschiede zwischen den Menschen spielen im kosmischen Maßstab keine Rolle mehr. Wir alle sitzen auf diesen winzigen, blauen Planeten in einem Boot, dies war Carl Sagans wichtigste Botschaft. Denn in einer Zeit, in der sich die Menschheit mit vielen, größtenteils selbst gemachten Gefahren konfrontiert sieht ist ein vertrauensvolles Miteinander von uns allen notwendiger als jemals zuvor in der Geschichte unserer Spezies.